Konflikt- und Krisenberatung
Wir alle kennen das: Unsere eigenen Wünsche und die der Menschen, die wir lieben, mit denen wir leben, arbeiten oder in sozialen Gruppen zu tun haben, scheinen unvereinbar verschieden geworden zu sein. Und noch dazu können wir in Lebenssituationen geraten, wo sich solche Unvereinbarkeiten in zunehmend immer mehr Bereichen zu zeigen beginnen, bis wir uns irgendwann in einer Situation wieder finden, wo alles um uns herum nur noch aus Lanzen und Spitzen zu bestehen scheint. Eine Weile versuchen wir dann, uns "Mühe zu geben", uns anzupassen (manchmal auch über ein erträgliches und zuträgliches Maß hinaus), versuchen, den sich aufstauenden Handlungs- und Lösungsdruck in verbal aggressiven Auseinandersetzungen sozusagen über's Knie zu brechen und los zu werden. Vielleicht ersäufen wir uns selber auch in Arbeit, versenken das Unwohlsein in Alkohol oder viel zu schnellem Fahren auf der Autobahn. Das zu tun, steht uns frei. Aber meist hilft keines dieser Stellvertreter-Mittel wirklich weiter. Im Gegenteil: Wir stecken immer noch im gleichen Konflikt fest und es scheint keine Tür mehr zu geben, die hinaus führt.
Konflikte und Krisen sind nun aber nichts Neues auf dieser Welt und vor allem nichts Schlechtes oder Negatives (oder sehen Sie das anders ?). Konflikte sind oft (meistens) sogar Chancen für neue, bessere Konstellationen im Leben. Es kommt darauf an, wie man mit Konflikten umgeht, wie ausgeprägt die eigene Konfliktfähigkeit ist und wie viel Spielraum für differente Eigenständigkeit wir uns und anderen zugestehen können. Wer zum Beispiel nur Menschen um sich herum ertragen kann, die ihm nach dem Munde reden, ihn bewundern, von denen niemals eine Kritik kommen darf (auch keine berechtigte !) und der ohne ständiges Lob nicht durch den Tag kommt, der wird sein Leben mit grosser Wahrscheinlichkeit als beladen mit Konflikten beschreiben, für deren Bewältigung er so viel Kraft und Zeit braucht, dass er sich ständig müde und ausgelaugt fühlt.
Schaut man genauer hin, zeigen sich fünf Haupt-Konfliktbereiche: Persönliche Konflikte, Paar- und Dreiecks-Konflikte, Innergruppen-Konflikte, Organisations- und Institutionskonflikte und Konflikte in Systemen. Wo immer man derzeit auch seinen Haupt-Konfliktpunkt einordnen muss: Jeder Konflikt erzeugt in uns einen "Tunnel-Blick"
Das heisst: Je weiter der Konflikt fortschreitet, umso weniger sind wir noch in der Lage etwas wahrzunehmen, das sich ausserhalb dieses Konfliktes befindet. Und damit verlieren wir auch die Möglichkeit, Chancen und Ressourcen zu erkennen, die uns helfen könnten, die Differenzen (besonders auch die in einer persönlichen Beziehung) in eine Win-Win-Situation zu verwandeln und damit die beste aller Konflikt-Lösungsmöglichkeiten anzusteuern: Veränderungs- und Weiterentwicklungs-Chancen aller beteiligten Personen/Systeme. Aber: Wie immer das Konfliktgeschehen auch abläuft, es ist in jedem Fall günstig, Konflikte schon im Anfangsstadium zu erkennen und ihre Eskalation zu vermeiden. Das gelingt, wenn man ein konstruktives Konfliktziel formulieren kann, um – besonders wichtig – nicht in die Eigendynamik eines Konfliktes abgleiten zu müssen (banales Beispiel: Man wirft sich in einem Beziehungs-Konflikt die grösst möglichen Hässlichkeiten an den Kopf und muss dann meist bis zum Ende des Lebens oder der Gemeinschaft mit diesen zerstörerischen Worten leben). Konfliktfähigkeit lässt sich formulieren als: Neugierde, als Lust auf Neues; Offenheit und Ergebnis-Interesse; Mut zur Angst (eine Frage des Selbstbewusstseins), Bereitschaft zur Klärung und zur Kooperation (weg von Kampfeinstellungen, die nur das eigene Ich und dessen Bedürfnisse als oberste Instanz und damit das Plattmachen des anderen akzeptieren können). Und nicht zuletzt: Je wohlwollender man eigene Fehler betrachten kann, umso freundlicher und leichter gerät der Umgang und auch eine differente Auseinandersetzung mit anderen.
Aus all diesen Erläuterungen lässt sich leicht erkennen, dass Konfliktbewältigung Mut braucht. Den Mut nämlich, eigenen Ängsten und tief verborgenen Rollenvorstellungen und Glaubenssätzen zu begegnen. Denn jeder Konflikt, den wir verleugnen oder verdrängen, findet so oder so seine unbewussten Ausdrucksmöglichkeiten. Und die können dann weit destruktiver sein als ein klärendes Konfliktgespräch. Da aber all das, was man anschaut, im selben Moment seinen magischen Charakter verliert (denken Sie zum Beispiel an das Märchen vom Rumpelstilzchen, das sofort seine zerstörerische Kraft verlor, als jemand seinen Namen kannte und nannte) und uns damit nicht mehr ängstigen oder gar verletzen kann, erweist es sich als günstiger, mutig zu sein und die eigenen Fähigkeiten zu einem harmonischen, gelingenden und unverstörten Leben zu erkunden.
Psychologische Beratung – Helga P. Marcotty
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